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  • Gläubiger oder Miteigentümer?

    Wenn der Finanzminister mehr Geld braucht, als er über Steuern und andere Einnahmequellen erhält, dann muss er Schulden machen. Und das ist regelmäßig der Fall. Deshalb verkauft er Bundeswertpapiere, ein Oberbegriff für unterschiedliche Anlagemöglichkeiten, die alle eines gemeinsam haben: Sie machen den Anleger zum Gläubiger des Staates. Er erhält einen Anspruch auf Rückzahlung des Betrages plus Zinsen. Die können, je nach gewählter Anlageform, fest oder variabel sein, die Laufzeit des Darlehens kann wenige Monate oder viele Jahre betragen.

    Die Sicherheit
    In jedem Fall kann der Anleger ruhig schlafen: Mit dem Staat hat er einen sicheren Schuldner. Bei dem Aktionär ist es mit dem ruhigen Schlaf so eine Sache. Er ist ja nicht Gläubiger des Unternehmens, dessen Aktien er hält, sondern Miteigentümer. Sein Anlageerfolg hängt vom Erfolg des Unternehmens ab, genauer gesagt, davon wie die Börse den Erfolg seines Unternehmens bewertet. Der tägliche Börsenkurs sagt ihm, ob er Geld verdient oder verloren hat. Als Miteigentümer ist er außerdem am Gewinn des Unternehmens beteiligt, den er in Form einer Dividende erhält.

    Andere Alternativen
    Welche Anlagemöglichkeit ist besser? Die Frage lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Die Antwort hängt ab von den Zielen des Anlegers. Wer ein bestimmtes Ziel vor Augen hat, für das er Geld spart, wird die Form wählen, die ihn mit Sicherheit zum Ziel bringt. Und sie hängt ab von seiner Einstellung zum Risiko. Ganz gene- rell gilt bei jeder Geldanlage: Je höher das Risiko, desto höher die Rendite und umgekehrt. Der Kurs eines Aktie kann wie eine Rakete in den Himmel steigen. Dann lacht der Aktionär über die Angst- hasen, die ihr Geld in Bundeswertpapiere investiert haben. Er kann aber auch ins Bodenlose fallen. Dann schüttelt der Inhaber von Bundeswertpapieren den Kopf über die leichtsinnigen Spekulanten.

    Auswirkungen in der Krise
    In der gegenwärtigen Krise stellen sich für Anleger die gleichen Fragen wie zu Normalzeiten. Aber die Antworten werden manchmal anders ausfallen. Wer bisher zwischen den beiden Anlageformen geschwankt hat, wird sich jetzt eher für die sichere Variante entscheiden. Wer bisher schon risikofreudig war, wird Aktien kaufen. Wann könnte man das besser machen, als in der Zeit allgemein niedriger Kurse? Aktien kaufen, in den Tresor legen, ein paar nette Worte an die Enkel dazu schreiben und die Aktien dann vergessen.
    Für die Geldanlage gibt es kein Patentrezept, und nicht einmal die sogenannten Fachleute waren in der jetzigen Krise vor Verlusten gefeit. Der Aktienkäufer kann es richtig oder falsch gemacht haben. Der Käufer von Bundeswertpapieren kann zumindest sagen, nichts falsch gemacht zu haben. Eine weitere sichere Geldanlage stellen Bundesschatzbriefe dar.