Gerade Aktienanleger wurden von den heftigen Verwerfungen durch die Finanzkrise verschont. Binnen weniger Monate verloren auch die größten Aktienindizes der Welt über 50 Prozent an Wert. Wer in Einzelwerte investierte und besonders im Finanzsektor engagiert war, wurde besonders hart erwischt. Einige Bankaktien büßten mehr als 90 Prozent ihres Wertes ein! So manche Bank musste sogar Insolvenz anmelden, sodass die Anleger einen Totalverlust erlitten haben.
Die jüngste Vergangenheit
Gut, wenn man die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt hat und sich rechtzeitig mit entsprechenden Zertifikaten eingedeckt hat, mag da so mancher denken. Allerdings zeigte sich auch in der Zertifikatswelt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. So wunderten sich einige tausend Anleger in Deutschland, warum ihre Lehman Zertifikate plötzlich vom Handel ausgesetzt waren. Ein Blick in die Tagespresse offenbarte die Schreckensnachricht: Die Lehman Bank ging insolvent und die Anleger erlitten mehr oder weniger einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals, trotz vermeintlich hoher Bonität des Emissionshauses Lehman Brothers.
Die Lehren aus der Krise
Dieses Ereignis versetzte der Zertifikatsindustrie einen heftigen Dämpfer, nachdem sie jahrelang boomte und hohe zweistellige Wachstumsraten erlebte. Mittlerweile hat sich die Situation, zumindest auf dem deutschen Zertifikatsmarkt, aber wieder beruhigt. Durch das Engagement der Bundesregierung bei einigen großen Banken Deutschlands, haben die Zertifikateanleger wieder Vertrauen gefasst. Denn auf Zertifikate verzichten, wollen sie in der Regel nicht. Verständlich, denn immerhin können spekulativ orientierte Anleger mit Zertifikaten auch auf fallende Kurse setzen und somit auch Gewinne erzielen, wenn der Markt weiter einbricht. Eine Möglichkeit, die beim Aktieninvestment nur bedingt gegeben ist. Außerdem können Anleger auf stagnierende Kurse setzen. ZU diesem Zweck haben Banken verschieden Zertifikate entwickelt, bei denen der Anleger eine Vergütung erhält, wenn ein Index oder eine einzelne Aktie sich innerhalb einer festgelegten Zeit nur in einer festgelegten Range bewegt.
Indexzertifikate
Auch aus Diversifikationsgründen können Zertifikate interessant sein. So bieten beispielsweise Indexzertifikate die Möglichkeit, an der Wertentwicklung eines Index zu partizipieren. Dabei entspricht die Wertentwicklung des Indexzertifikats eins zu eins der Performance des Basiswertes. Eine Eigenschaft, die bei einem Indexfonds beispielsweise so gut wie nie gegeben ist. Außerdem bieten viele Indexzertifikate den Vorteil, dass sie ohne Spread handelbar sind. Das heißt, der Anleger kann zu dem Kurs kaufen, zu dem er auch verkaufen kann.
Weitere Zertifikatformen
Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe weiterer Zertifikate, die dem Anleger beispielsweise den Zugang zu weniger erschlossenen Märkten wie Dubai oder Vietnam bieten. An diesen Börsenplätzen können Privatanleger nämlich nicht direkt in Aktien investieren. Auch das Fondsangebot ist vergleichsweise gering, wenn überhaupt entsprechende Fondsprodukte existieren. Somit stellen Zertifikate in vielen Fällen die einzige Möglichkeit dar, sich überhaupt engagieren zu können.