Die Finanzkrise scheint bei vielen Bundesbürgern noch nicht richtig angekommen zu sein, aber an der Börse hat sie bereits für jede Menge "verbrannter Erde" gesorgt. Im Zuge der schlechten Nachrichten aus Amerika ist es seit Sommer 2008 zu einer regelrechten Verkaufswelle gekommen, bei der die Kurse der großen Indizes dieser Welt bereits über 50 Prozent verloren haben. Einige Einzelaktien haben sogar Verluste erlitten, die deutlich über 90 Prozent des ursprünglichen Kurswertes betrugen: Dazu zählen vor allem Finanztitel, also Banken und Versicherung, die eigentlich als solide aufgestellt galten.
In Amerika vielen beispielsweise erlitten sämtliche Banken enorme Verluste. Abschreibungen in Milliardenhöhe und notwendige Kapitalerhöhungen bei vielen börsennotierten Finanzunternehmen sorgten für weiteren Druck an der Börse. Einige Aktien stellten sich im Zuge dieser Entwicklungen als "schwarze Löcher" heraus. So musste zum Beispiel die amerikanische Lehman Brothers Insolvenz anmelden und hinterließ einen Schuldenberg von einigen hundert Milliarden US Dollar. Für die Aktionäre bedeutete das unerwartete Aus der Bank mehr oder weniger einen Totalverlust. In Deutschland wurde die Hypo Real Estate, vor wenigen Monaten noch ein gefeierter Börsenstar, sprichwörtlich in den Boden geprügelt. Das Institut wäre schon längst zahlungsunfähig, wenn die Bundesregierung nicht um die Rettung der maroden Hypothekenbank bemüht wäre und eine Enteignung des Großaktionärs JC Flowers fokussieren würde.
Die unglaublichen Verkäufe blieben aber nicht auf die Finanzwerte beschränkt. Besonders die Autobauer und andere zyklische Werte litten in den letzten Monaten unter der sich abschwächenden Konjunktur. Die großen Autobauer in den USA stehen allesamt vor der Zahlungsunfähigkeit und überleben nur aufgrund der von der US Regierung zur Verfügung gestellten Liquidität. Die düsteren Erwartungen und den Absatzeinbruch in der Automobilindustrie spiegelt die Börse mit Kursrückgängen wider, die seit Beginn der Krise bei einigen Autobauern deutlich über 50 Prozent betragen.
Wie hart die Gesamtwirtschaft von der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen ist, oder besser gesagt betroffen sein wird, zeigt die Wertentwicklung breit diversifizierter Anlagefonds. Obwohl diese ihr Fondsvermögen über verschieden Branchen streuen um Risiken zu minimieren, stehen viele dieser Produkte ebenfalls mit Verlusten von über 50 da.
Zukünftig dürften die Kurse an den Finanzmärkten sich aber wieder deutlich erholen. Dafür spricht zumindest die Tatsache, dass beinahe alle Industrienationen dieser Welt milliarden- oder sogar billionenschwere Konjunkturprogramme aufgelegt haben, die die Wirtschaft in einem ganz enormen Ausmaß beflügeln dürften. Gerade Unternehmen, die im Infrastrukturbereich aktiv sind, werden hier besonders profitieren. Die aktuellen Verluste, die in vielen Anlegerdepots schlummern, dürften dann - eine entsprechende Struktur im Depot vorausgesetzt - wieder der Vergangenheit angehören.